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Überschrift: Das Bauwerk

Wenn in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit ein Ingenieurbauwerk mehr als 135 Jahre allen Anforderungen genügt, so ist das sicherlich ein Zeichen für den Weitblick und die Tatkraft seiner Erbauer. Ein solches Bauwerk ist das Pretziener Wehr.
Im Mittelalter bestanden zwischen Magdeburg und Dornburg bekanntlich zwei Elbarme, die heutige Stromelbe und die Alte Elbe. Diese Stromteilung dürfte zwischen 976 und 1012 erfolgt sein. Oberhalb Magdeburgs war der Plötzkyer Arm lange Zeit der Hauptarm. Dieser floß von Dornburg aus in Richtung Alte Fähre, Elbenau, Randau und vereinigte sich mit dem westlichen Arm in Höhe der Ortslage Salbke.
Wehrtafel auf dem Pretziener Wehr
Dieser alte Elbarm ist heute noch an verschiedenen Stellen deutlich zu erkennen. Die große Insel zwischen beiden Elbarmen nannte man den Elbenauer Werder, der eine Größe von ca. 3000 ha hat. Allmählich gab er seine Bedeutung an den damaligen Nebenarm ab, der sich bei Dornburg abzweigte. Als dann der Durchbruch bei Schönebeck erfolgte, versandete die Alte Elbe immer mehr. Der andere Abschnitt der Niederung auf dem rechten Ufer der Alten Elbe umfasste die Gemarkungen von Pretzien, Plötzky, Calenberge, Pechau, Prester, Magdeburg Ost, Menz, Wahlitz, Gübs, Biederitz, Woltersdorf, Körbelitz und Gerwisch bis Lostau. Die gesamten wasserwirtschaftlichen Verhältnisse waren in diesen Niederungen als äußerst schlecht zu bezeichnen. Durch die Stromteilung der Elbe bei Dornburg verkümmerte bei normalen Wasserständen der Schifffahrtsweg bei Schönebeck so, dass in den Sommermonaten der gesamte Schifffsverkehr ruhte. Andererseits waren zu Zeiten der Hochfluten die Niederungen größtenteils überschwemmt. Die in den Niederungen gelegenen Ortschaften führten dann, einen verzweifelten Kampf gegen die Wassermassen.
1 Joch mit 36 Schützentafeln
Die stetig fortschreitende Besiedlung der fruchtbaren, rund zwei Meter unter dem höchsten Wasser gelegenen Flächen führte zu Eindeichungen. Zahlreiche Deichpolder wurden in alten Zeiten, je nachdem ob die einzelnen Gemeinden oder Gutsbesitzer sie als notwendig oder wünschenswert erachtet hatten, angelegt, jedoch wahllos, ohne System und überdies zu schwach und nicht hoch genug. Nach dem verheerenden Hochwasser 1845 wurden deshalb die Deiche verstärkt. Im Jahre 1850 sahen wir so Prester, Randau, Pechau, Calenberge, Menz, Gübs und Ranies winterhochwasserfrei eingedeicht.
Mehrere Sommerpolder und der Prester Überfall vervollständigten das Bild. Der Prester Überfall, eine besonders dafür hergerichtete Deichstrecke, musste durchstochen werden, um zum Schutz der Stadt Magdeburg einen Teil des Wassers zwischen den kleinen Ortsringpoldern nach der Ehle hin abzuleiten. Die Ortspolder gewährten zwar Schutz gegen Überflutung in normalen Jahren, sie schufen aber durch die verminderte Ausschlickung binnendeichs bei fortgesetzter Auflandung außendeichs mit der Zeit immer schlechtere Entwässerungsverhältnisse, zumal der in der Elbniederung zumeist durchlässige Untergrund die Bildung von Drängewasser noch begünstigte.
Die Verhältnisse wurden durch Qualmwasser und zahllose Deichbrüche für die Elbniederung überall traurig. Eisstauungen gefährdeten die schmale Alte Elbe, und die Niederung versumpfte immer mehr. Nicht selten kam es vor, dass bei Hochwasser fast kein Deich in der Niederung unbeschädigt blieb und allein die Deiche auf dem Elbenauer Werder an die hundert Brüche zeigten. Besonders schlimm war das Jahr 1862, in dem die Ortschaften Ranies, Grünewalde und Gübs, auch
Ausschnitt Windensystem Losständer
Biederitz, wieder überflutet wurden. Ähnliche Verluste und Schäden an Gebäuden und Feldfrüchten brachte das Jahr 1865, wo die Deiche trotz der inzwischen vorgenommenen Verbesserungen noch an achtzehn Stellen brachen.
Ungeheures Unglück und Elend hatten die Bewohner dieser Gemeinden durchzustehen. Diese katastrophalen Verhältnisse gaben den Anstoß zur Melioration; eine grundlegend andere Arbeitsweise bei der Bekämpfung der Hochwasserwellen musste angestrebt werden. Unter Anleitung des Regierungs- und Baurates Wurfbein wurde daher ein Projekt erarbeitet, das im Jahre 1868 seine Verwirklichung fand. Man schuf durch einen seitlichen Entlastungskanal den Elbumflutkanal mit verschiedenen Leitdeichen. Eine Anlage, die die Strom- und Alte Elbe bei Magdeburg kräftiger vom Hochwasser entlastete und der Niederung durch genügend starke Deiche mit guter Linienführung und Zusammenfassung der vielen einzelnen Deichpolder zu großen Deichverbänden sicheren Schutz gegen Hochwasser bot. Den Einlauf regelt seitdem das Pretziener Wehr. Es stellte in der damaligen Zeit ein Meisterwerk der Technik dar, lenkte die Aufmerksamkeit der Techniker in hohem Maße auf sich und wurde wiederholt an verschiedenen Orten und unter ähnlichen Verhältnissen nachgebaut, u. a. in der Unteren Seine zur Kanalisierung dieses Flusses.
Im Jahr 1869 wurde mit dem Bau der Deiche und 1871 mit der Gründung des Pretziener Wehres begonnen.
1873 waren die Leitdeiche des Elbumflutkanals fertiggestellt, die in einem Abstand von 450 m zueinander von Pretzien bis Biederitz verlaufen. Die untere Kanalmulde
Ausschnitt Joch mit Schützentafeln
(Elbumflut) hat eine Gesamtlänge von rund 18 km und die obere Zuführungsmulde von Dornburg bis nach Pretzien von 3 km. Nachdem 1873 die Entscheidung über die Verschlussvorrichtung gefallen war, deren Herstellung übrigens beim damaligen Stand der Technik mit großen Schwierigkeiten verbunden war, konnte im Herbst 1875 die gesamte Anlage betriebsfertig der damaligen Elbumflutverwaltung übergeben werden. Bei diesem Wehr war es zum ersten Male in größerem Maßstab erreicht worden, die Schützenverschlüsse mit ihren sämtlichen beweglichen Teilen unter hohem Wasserdruck herauszuheben und wieder einzubringen. Für dieses Werk wurde eine für die damalige Zeit sehr hohe Summe von 4,4 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, wobei ein Schutz gegen die ständige Überflutung von 7.500 ha erreicht wurde.
Das Wehr wurde von 1871 - 1875 vorwiegend von italienischen Bauarbeitern und französischen Kriegsgefangenen erbaut. In seiner Größe und Bauart ist das Pretziener Wehr wohl einmalig in Europa.


 
 

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